Klaus Knoll

Literarische Autoethnografie

Japanbriefe

Sangai

Fremdsein ist ein gewaltiges Handwerk,  das Fleiß und Fertigkeit erfordert. Franz Werfel     Die Lage ist auf einen Blick klar: Wir befinden uns im Frachtenaufzug in einem der vielen Lagerhäuser des New Yorker Galerieviertels Chelsea. Im dritten Stock zeigt Yancey Richardson Arbeiten von Hiroshi Sugimoto. Vor uns eine vielleicht[...]

Japanbriefe

Japan heute

Das erste Signal aus Fukushima sind die Sirenen in Honolulu.  Es ist zehn Uhr abends. Meine Frau und ich sitzen in etwas, das früher die Garage war, genauer gesagt der gemauerte Teil, auf dem der Rest der Holzhütte sitzt, die hier in Palolo Valley an den Hang geklebt ist, noch[...]

Japanbriefe

Kohi

Kaffee ist in Japan immer teuer und meistens grauslich. Am teuersten und grauslichsten ist er im Kaffeehaus, wo man die Wahl hat zwischen uina (“Wiener”, offenbar Melange, in Japan — semper et ubique — eine hellschwarze Brühe, auf der ein paar traurige Fettaugen schwimmen) und amelican kohi (American coffee: Euphemismus zur Bezeichnung einer bonbonfarbenen, sehr heißen Brühe). Eine Espressomaschine habe ich noch in keinem dieser Etablissements zur Massenvergiftung gesehen.

Japanbriefe

Fuzzy logic

Der Entdecker der fuzzy logic war ein radfahrender Japaner, oder genauer gesagt, ein Beobachter japanischer Radfahrer, denn solange ein Japaner auf dem Fahrrad sitzt, kann er weder etwas beobachten noch entdecken, da er sich in tiefer Trance befindet, einem Zustand, der sich am ehesten noch mit den Geisterfahrten eines sibirischen Schamanen vergleichen lässt, der zu diesem Behufe freilich erst mehrere Fliegenpilze zu sich nehmen muss. Die hiesigen Radfahrer sind aber sicher keine Fliegenpilzfresser, eher schon Valium-Zombies, wenn man unbedingt einen pharmakologischen Anhaltspunkt braucht.