Klaus Knoll

Literarische Autoethnografie

Kurze & Kürzeste

Königliche Hoheit

Café Fingerlos, Salzburg: Die besser gestellte Dame mit weißem Schäfer, ein Prachtexemplar von Hund mit dem Gehabe jener Königlichen Hoheit, als die er sein Lebtag behandelt worden ist, begutachtet die Kuchen in der Vitrine, reibt ihrem hechelnden Liebling die Ohren. “Fuß jetzt. Sitz! Brav.” Die Oma wurstelt sich mit ihrem Gehstock mehr schlecht als recht vorbei: “So ein schönes Tier!” Die Kellnerin, die’s ein bissl eiliger hat, bremst nur wenig ab zwischen Tisch und Hund, die Serviertasche an ihrem Hinterteil baumelt eine Handspanne vor der königlichen Schnauze. Der Blanc Suisse schnappt zu, erwischt die Stoffserviette, die locker drüberhängt. Mir entfährt ein kleiner, spitzer Begeisterungsschrei. Majestät würdigt mich keines Blickes. Zufrieden kauend zieht er sich ein wenig zurück, während seine bessergestellte Entourage sich nicht und nicht zwischen Orangen-Oberscreme und Schwarzwälder Kirsch entscheiden kann.

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